Otto, Du bist von hinten wie von vorne mein Vorbild!

Otto Dix, der Maler, 

der viele seiner Modelle grotesk und monströs darstellte,  

hat Bilder von Säuglingen gemalt, 

die ich stundenlang betrachten kann. 

Ihr müsst sie Euch unbedingt ansehen, auch, wenn Ihr sie schon kennt. 

Die Kinder sehen alt aus, ausgeliefert und roh. Großartig!

Ich zeichne, seitdem ich sie gesehen habe, Babys, in vielen Variationen.

Die Kombination von schwarzer Tinte mit Chinacridongelb in dieser Zeichnung gefällt mir sehr gut. 

Malt, malt, sonst seid Ihr verloren!

Wenn ich mich aufheitern möchte…


..male ich ein Bild von mir, 

mit einem dicken Marker, 

vor dem Spiegel. 

 Werfe Farben auf‘ s Papier, alles, nur keine Hautfarbe. 
Und : es gibt ein Gedicht von Helmut Krausser, das meine Stimmung enorm anheben kann. 
Die Sache mit dem Zwergchamäleon

– Iff hab waf fiffen den Fähnen – kannft du ma nachfehn?

– Oh, tatsächlich, da sitzt ein Zwergchamäleon.

– Efft? Was mafft daf ’n da? 

– Jetzt wird es beige, jetzt rot… Gott ist das süüüüß. 

– Mein Fahnfleif ift ganf gefwollen. Maff daf weg!

Wie es weitergeht, könnt Ihr in dem Gedichtband ‚Strom‘ lesen. Ich könnte mich kugeln vor Lachen! 

Heitert Euch auf und genießt die Kunst!

Kürbisse

Mit der Last von tausend 

Kürbissen und meiner Frau

auf dem Anhänger

fahr ich vom Nebel durchnässt

über die Felder zurück! 

Tokita Norio: Hoppōron, 1982
Ich weiß wohl, dass das keine Kürbisse sind, 

aber ich fand dieses Gedicht 1000 mal schöner als das mit Melonen. 

Es handelt es sich übrigens um ein Tanka – ein Gedicht aus 31 Silben in 5 Versen aus Japan. 

Es ist aus einer wunderbaren Anthologie : ‚Gäbe es keine Kirschblüten….‘ – Tanka aus 1300 Jahren.

Und das Aquarell malte ich nach einem Schwarz- Weiß – Foto in einer alten Ausgabe einer Merian- Zeitschrift. 

Genießt die letzten Sommertage, liebe Leser!

Morgenblüte, rosenfingrige

Heute habe ich eine Monotypie für Euch- 

und eine kleine Anleitung dazu.  Das „Drucken“ dauert nur 2 Minuten und ich verspreche, Ihr werdet überrascht sein! 

Auf eine gleichmäßig mit Druckfarbe (Gouache oder Acryl funktionieren auch) bedeckte Glasplatte legt Ihr vorsichtig ein feines Blatt Papier. Nicht andrücken! Auf das Papier zeichnet Ihr, was Euch in den Sinn kommt. Malt z.B. eure linke Hand! 

Aber Vorsicht! Es besteht die Gefahr, dass Ihr sehr, sehr viel Geld für feines Papier ausgeben werdet. 

 ..mein Augenwildling, meine Blütenglocke..

“ Zeichne!

Ohne  auf das Blatt zu sehen und ohne den Stift abzusetzen.“

Das ist nicht neu? Nein, und doch.. Tu es!

Lass den Stift laufen, gib Energie hinein. Dein Verstand zweifelt noch? Lass ihn wie einen fremden Mond gen Himmel steigen und zeichne!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welch plumper Fuß ist hier in meinen Blumenflor getreten ….


Niemals anders sah ich Dich erwachen

als mit einem heitern Lachen.

Gleich als ob von einem Paradiesesbaume

Blüten du gepflückt im Traume.
Und so hoff ich, dass mit heiterm Lachen

Jetzo auch du wirst erwachen

Droben von des Lebens kurzem Traume

Unterm Paradiesesbaume.

Aus den Kindertodtenliedern von Friedrich Rückert

Indigo

Liebe Freunde des fannyblu- Blogs,

heute habe ich für Euch ein Aquarellbild, in einer Farbe gemalt, in Indigo. Solch monochrome Bilder zu malen fordert ein genaues Hinsehen, um die verschiedenen Abstufungen wiedergeben zu können. Indigo ist wunderschön, allerdings nicht besonders lichtecht, es bleicht leicht aus. Sepia ist ebenso eine feine Farbe für einfarbige Bilder. 

Mit einer Farbe zu arbeiten ersetzt einen Wellnesstag, probiert es mal aus. Man kommt in einen Flow und wird ganz glücklich. 

Wunderbare Motive findet Ihr in Edelsteinen oder Pflanzen: Lavendel, Raps, Rosmarin, Amethyst, Türkis, Bernstein und mehr. 

Bekennt Farbe und freut Euch des Lebens!

Ok, zugegeben, mehr als eine Farbe, aber Ihr könnt die entspannende Wirkung des Lavendels sehen (könnt Ihr?). Wirkt sicher so gut wie das Besprühen des Kopfkissens, sich das Bild vor dem Schlafengehen anzusehen. 

Inmitten wilder Rosen…

Mond und Blumen, ach-

Neunundvierzig Jahre

umhergegangen und die Zeit vertan. 

Issa


Heute möchte ich Euch von meinem kreativen Arbeiten mit den kürzesten aller lyrischen Texte aus Japan erzählen, den Haikus. Eine Folge von fünf- sieben- fünf Zeilen, meist Naturbetrachtung, ist das Haiku und kann doch das ganze Sein in einem Augenblick, die Welt und deren Vergänglichkeit spüren und empfinden lassen. 

Ich nehme ein feines, leeres Blatt, lege es vor mich hin und streiche es glatt. Dann tauche ich zerknülltes Seidenpapier ( man kann auch Küchenrolle nehmen) in schwarze Gouache oder Acrylfarbe. Ich gleite nun über das Papier, die Bewegung kommt aus der Schulter, und tupfe und streiche über das Blatt. Ohne nachzudenken, nur den Impulsen folgend. Ich betrachte dann die Farbflecken und ergänze sie ein wenig mit Gold oder Aquarellfarbe.

Gold und Schwarz mag ich besonders gerne. Gold ist das ‚ Metall des Lichts‘ und ihm wird nachgesagt, eine vitalisierende Wirkung zu haben und den Selbstwert zu stärken. 

Noch ein Tipp: Nehmt einen schwarzen Fineliner und goldenen Acrylstift und doodelt blind auf dem Papier. Durch das Gold wirkt jede Zeichnung ein bisschen edler. 

Habt Spaß und freut Euch des Lebens!

diese um ihre Köpfe verstürmten Öhrlinge Stiefmütterchen….

So beginnt das Gedicht ‚Flugschrift‘ von Friederike Mayröcker. Ich habe nie Kostbareres als ihre Gedichte gelesen. Sie lösen tiefe Zärtlichkeit für unser schönes Leben und die geschenkte Natur in mir aus. Die Gedichte überwinden alle Schutzwälle und treffen mitten ins Weiche, mit aller Kraft, die Schwingung der Worte haben kann. 

Sucht Ihr nach einer Inspiration zum kreativen Arbeiten? Lest von dem ‚ Rosenstrauch, grüner Flor, dieser Dom aus Blättern, Kuppel…‘ oder ‚ die Meszgewänder der Pfingstrosen rauschen…‘. 

Lest Mayröcker

Heute poste ich ein Bild, das ich mit Acryltinte getropft habe. Ich habe ein gutes, 300 Gramm schweres Aquarellpapier genommen und mit einem großen Pinsel Wasser darauf getropft. In diese Tropfen habe ich Tinte fallen lassen und mit Faszination zugesehen, wie die Farbe aus- und ineinander fließt. Das ist ein wunderbares Erlebnis. Besonders harmonisch ist es, wenn wenige Farben verwendet werden ( z.B. Schwarz und Goldocker, Magenta und Blau). 

Viel Freude an den Rosenblattfaltervogelwelten! 
Leseempfehlung: Scardanelli (Suhrkamp, 2009), Liebesgedichte (Insel Taschenbuch, 2006) und noch viel mehr!