Stille Nacht

Mein Kopf fühlt sich an wie eine Schneekugel, denk ich an Weihnachten:

Weihnachtsbaum schlagen, Hirschgulasch essen, Plastikkerzen, echte Kerzen, Geschenkpapier, rote Kugeln, grüne, Christkind, Vanillekipferl, Frank Sinatra, Nikolaus, Frieden, Freude, Harmonie, Glühwein, Rindswurst……… STOP!!!

Stille

Nachdem ich die Stereotype aus meinem Kopf vertrieben habe, erinnere ich mich an Weihnachten als Kind.

Mein Vater kaufte an jedem Heiligabend einen armselig schütteren, asymmetrischen Baum (auch er eine Künstlerseele), was bei meiner Mutter cholerische Anfälle auslöste.

Wir sangen uns mit Weihnachtsliedern in Ekstase, mein Papa begleitete mit der Gitarre. Mama durfte nicht, sie traf die Töne nicht so. Mein Schwesterherz sang immer: „Hallejuja!“.

Es gab ein Menü á la Bocuse. Meine Mama ist eine grandiose Köchin (der Grund, weshalb ich, wenn ich in einer Mensa esse, Speiseröhrenkrämpfe bekomme).

Und die Geschenke: ein Kassettenrecorder, mit dem ich gleich Hits aus dem Radio aufnahm. Man hörte immer die halbe Ansage und das Geräusch der Aufnahmetaste. Oder eine herrliche, rote Melodica (gibt es die noch?). Meine Eltern müssen echt Nerven gehabt haben.

Ein bisschen wie Weihnachten bei Loriot, wo der Junge einen Bausatz für einen Atombunker bekommt.

Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele.

Das Bild habe ich aus einem Film über den heiligen Franziskus. Ich habe eine besondere Beziehung zu Franz von Assissi, weil ich eine Klosterschule der Franziskanerinnen besucht habe. Da steht er, über den Dächern und fliegt inˋs Blau. Mit den Vögeln. Frei und eins mit der ganzen Welt. Ich erinnere mich.

Oben: Maxim Gorki

Plum blossom and the moon

Vor kurzem sah ich den Film „Saving Mr. Banks.“ Ein Vater kommt darin auf einem Pferd zu seiner Tochter geritten, steigt ab und sagt:“ Armer alter Albert (das Pferd). Er ist eigentlich Dein Onkel, weißt Du. Aber eine übel gelaunte Hexe hat ihn in einen Klepper verwandelt.“Warum hat sie das getan?“ „Sie hat gesagt, sie könne nicht ausstehen, wie er lacht.“

Da alles weiter nichts ist, als es ist, kann man ruhig in Gelächter ausbrechen

Meine Großmutter hatte Humor, den Schalk im Nacken, hat beim Kartenspielen gepfuscht und sich kein bisschen geschämt, wenn sie aufflog. Von ihr habe ich gelernt, dass Bildung einen Menschen verschönern kann. Und dass künstlerisches Arbeiten fein und sorgfältig ausgeführt werden muss. Manchmal wünschte ich, ich könnte noch einmal einen Nachmittag mit ihr verbringen.

Spruch: Long Chen Pa

Décalcomania

Ihr Lieben, die Ihr mir unbeirrt folgt: es hat mich außerordentlich gefreut, dass Ihr nach neuen Beiträgen fragt.

Ich hatte einen „Kritiker in mir, riesig aufgebläht“ Phase. Habe die Biographie über Horst Janssen gelesen und bin angesichts seines genialen Talentes in eine Schockstarre gefallen. Gelegenheit für den Meckerer in mir, zu höhnen: „Der war ein richtiger Zeichner, der konnte was, und Du, Wurm, elender, Kakerlake, Nichtskönnerin, Täuscherin?“

Vorsichtig tauche ich an dieser Stelle wieder auf, habe mich erinnert an Abklatschbilder, die wir in der Kunsttherapieausbildung gemacht haben. Und siehe da: was entstanden ist, passt zum Erinnern an die Schönheit der verschwundenen Insekten.

Eure heute das Grau mit Kerzenschein bekämpfende fannyblu grüßt Euch herzlich.

P.S.

Es gibt ein jüdisches Sprichwort: „Mach´ Dich nicht so klein. So groß bist Du doch gar nicht.“