Kunsttherapie

Inmitten wilder Rosen…

Mond und Blumen, ach-

Neunundvierzig Jahre

umhergegangen und die Zeit vertan. 

Issa


Heute möchte ich Euch von meinem kreativen Arbeiten mit den kürzesten aller lyrischen Texte aus Japan erzählen, den Haikus. Eine Folge von fünf- sieben- fünf Zeilen, meist Naturbetrachtung, ist das Haiku und kann doch das ganze Sein in einem Augenblick, die Welt und deren Vergänglichkeit spüren und empfinden lassen. 

Ich nehme ein feines, leeres Blatt, lege es vor mich hin und streiche es glatt. Dann tauche ich zerknülltes Seidenpapier ( man kann auch Küchenrolle nehmen) in schwarze Gouache oder Acrylfarbe. Ich gleite nun über das Papier, die Bewegung kommt aus der Schulter, und tupfe und streiche über das Blatt. Ohne nachzudenken, nur den Impulsen folgend. Ich betrachte dann die Farbflecken und ergänze sie ein wenig mit Gold oder Aquarellfarbe.

Gold und Schwarz mag ich besonders gerne. Gold ist das ‚ Metall des Lichts‘ und ihm wird nachgesagt, eine vitalisierende Wirkung zu haben und den Selbstwert zu stärken. 

Noch ein Tipp: Nehmt einen schwarzen Fineliner und goldenen Acrylstift und doodelt blind auf dem Papier. Durch das Gold wirkt jede Zeichnung ein bisschen edler. 

Habt Spaß und freut Euch des Lebens!

So beginnt das Gedicht ‚Flugschrift‘ von Friederike Mayröcker. Ich habe nie Kostbareres als ihre Gedichte gelesen. Sie lösen tiefe Zärtlichkeit für unser schönes Leben und die geschenkte Natur in mir aus. Die Gedichte überwinden alle Schutzwälle und treffen mitten ins Weiche, mit aller Kraft, die Schwingung der Worte haben kann. 

Sucht Ihr nach einer Inspiration zum kreativen Arbeiten? Lest von dem ‚ Rosenstrauch, grüner Flor, dieser Dom aus Blättern, Kuppel…‘ oder ‚ die Meszgewänder der Pfingstrosen rauschen…‘. 

Lest Mayröcker

Heute poste ich ein Bild, das ich mit Acryltinte getropft habe. Ich habe ein gutes, 300 Gramm schweres Aquarellpapier genommen und mit einem großen Pinsel Wasser darauf getropft. In diese Tropfen habe ich Tinte fallen lassen und mit Faszination zugesehen, wie die Farbe aus- und ineinander fließt. Das ist ein wunderbares Erlebnis. Besonders harmonisch ist es, wenn wenige Farben verwendet werden ( z.B. Schwarz und Goldocker, Magenta und Blau). 

Viel Freude an den Rosenblattfaltervogelwelten! 
Leseempfehlung: Scardanelli (Suhrkamp, 2009), Liebesgedichte (Insel Taschenbuch, 2006) und noch viel mehr! 

Auf dem Wasser zu singen

Wie schön, Euch auf meinem neuen Blog begrüßen zu dürfen! Herzlich willkommen!

Welches Lied, glaubt Ihr, singt der Ruderer?

Das Bild ist eines, das ich nach dem Hören eines indischen Liedes gemalt habe. Ich tauchte einen Sisalfaden in schwarze Gouache- Farbe und ließ ihn mit geschlossenen Augen über das Papier tanzen. Ich lenkte meine Aufmerksamkeit auf mein Atmen und ging ganz mit meinen Bewegungen mit, aufmerksam und wach. Danach drehte ich das Blatt und suchte nach einem für mich sichtbar werdenden Bild. Mit Pastellkreiden belebte und verstärkte ich es.

Es ist spannend, welche Themen wir auf diese Art sehen und welche Verbindung zu unseren aktuellen Lebensthemen wir entdecken können. Ein Mensch, der mit aller Kraft rudert, dem Mond entgegen, tief in das Wasser eintauchend, unbeirrt….

 

Wenn Ihr mir eines Eurer so entstandenen Bilder schicken möchtet.. nur zu! Ich stelle Euch eine gute Frage!

Inspiriert?