Die schreckliche Lust des Auges…


„Muss ich mir Sorgen machen? Alles ok?“, fragte meine Tochter, als sie die Bilder gesehen hat, die ich heute gemalt habe. 

Es liegt nicht am trüben Herbsttag, sondern an der Inspiration durch Klinger, Janssen und Co. Die  Kraft bewahren, gucken und zeichnen, nicht mehr.

„Damenherren, ich will sie nicht in womöglich melancholischer Stimmung entlassen. … es ging um den Entwurf eines Glasfensters …die Auftraggeber steckten ihre ganze Intelligenz in irgendwelche Blickwinkelkombinationen und Berechnungen…dieser Prof. Dr.Dr. Sowieso fiel mit seinem Geschwätz meinem Lehrer auf den Wecker und in die erste Atempause hinein sagte er – nicht eben laut, aber deutlich- :“Ach, wissen Sie, Herr Professor dr.dr.dr.dr., wenn Sie die Augen zumachen, sehen Sie gar nichts. Das gilt auch heute noch.“

Horst Janssen, 1980; Lübecker Rede


„Das Innere meiner Handfläche, der eine Teil, der nicht gealtert ist, zeigt alle Farben und Formen einer Renaissance- Truhe.“

George Tabori

(Titelzitat: Woody Allen)

Manisch serielles Arbeiten

Liebe Leser des fannyblu- Blogs,

ich freue mich riesig über positive Resonanz, die ich bekommen habe. Eine Freundin sagte: „Deine Sachen sind gut, aber könntest Du nicht mal Serien machen? Und die Grafik und das Layout.. (ok, ok, das weiß ich, suche noch nach Personen, die mir helfen). Aber Serien gibt es zu fast allen Bildern, die ich gepostet habe. Denn, wenn ich mich mit einem Thema auseinandersetze, gerate ich in exzessive Arbeitsprozesse. Hier also nun ein Beispiel einer Serie, in der ich mich mit meinem Herzensmaler Otto Dix auseinandergesetzt habe. Archaische Themen, Alter, Geburt, Sex, Sex und Tod. Und die Serie ist noch lange nicht fertig. 

Liebe und Tod sind da, das ist alles, was man sagen kann. 

Roland Barthes

Vive la peinture!

Gestern habe ich mir die Ausstellung : *Matisse und Bonnard, eine 40 Jahre währende Freundschaft* im Städel in Frankfurt angeschaut. Ganz wunderbar war es für mich, die Originalzeichnungen Bonnards in kleinen Kalendernotizbüchern zu sehen. Immer wieder seine Frau Marthe im Bad, in der Wanne, in Spiegeln hinter Waschschüsseln, über Waschzubern.  

Und Matisse, der alles flächig darstellt, sogar Vasen vor Ecken stellt, um jede perspektivische Sicht zu verhindern. 

Witzig, dass auch diese beiden zuerst Jura studiert haben. Entsteht da der Mut, sein Talent über alles zu stellen? 

Wenn Ihr Inspiration sucht, schaut Euch diese wunderbare Ausstellung an. Es lebe die Malerei!

Und, gerade, im Augenblick, zu meiner Freude, habe ich gesehen, dass Kazuo Ishiguro den Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Herzlichen Glückwunsch!

Ohrenbetäubende Bilder


Wo, zum Teufel, sind all‘ die großartigen Gedichtbände hingekommen? Ich bin sicher, es gibt sie, irgendwo. In unseren Buchhandlungen jedenfalls sind sie nicht. Ich will sie riechen, spüren, blätternd aus der Zeit fallen, aussaugen. 

Das folgende Gedicht wurde 1924 von einem polnischen Poeten geschrieben. Es wurde in einem wunderbaren Gedichtband mit Picasso- Zeichnungen veröffentlicht ( polnische Liebesgedichte/ Inselverlag).

Sie legte ihr haar zurecht

vor dem spiegel und vor dem schlaf 

Das dauerte unendlich lange Zwischen der einen 

und andern beugung des armes 

vergingen epochen Aus ihren haaren rieselten leis 

die soldaten der Dritten Legion

der heilige Ludwig mit seinen kreuzrittern 

die kanoniere von Verdun

Mit starken fingern 

steckte sie sich die glorie zurecht über ihrem kopf 

Das dauerte so lange

daß als sie endlich

ihren schaukelnden marsch 

zu mir begonnen hatte 

mein bislang so folgsames herz 

stehengeblieben war

und dicke körner salz 

erschienen auf meiner haut 
Zbigniew Herbert

Bild: Acryl, Oktober 2017 von fannyblu  

„In dir singen die Flüsse..“

„Und jener wie Knaben, unbelauscht sich wähnend und einsam im grasigen Grunde, wandelt hin und her und ließ von den spielenden Wellen leicht die Spitze des Fußes, dann auch die Knöchel benetzen. Eilig dann und gelockt von der Milde des schmeichelnden Nasses, streift von dem zarten Leibe ab er die weichen Gewänder….

„Sieg! Nun ist er mein“, so jubelt die Nymphe, und alle Kleidung wirft sie bei Seite und gleitet hinab in die Wellen, fasst ihn, wie sehr er sich wehrt, und zwingend raubt sie ihm Küsse, klammert die Hände um ihn, bedrängt seinen sträubenden Busen ..wickelt sich um ihn..wie Efeu sich steil an hohen Stämmen emporrankt, oder wie ein Polyp den unter Wasser ergriffenen Gegner von allen Seiten mit langen Fängen umklammert. 

aus Metamorphosen von Ovid 

The Moon of your birth..

Das erste Baby habe ich in Tinte und Aquarell gemalt, das zweite in Bleistift und Aquarell. Ich habe eine neue limited palette, benutze nur 8 Farben. Jenny Adams empfahl sie bei einem Workshop der urban sketcher. Ursprünglich ist sie von Jane Blundell. 


Diese 6 Farben plus neapelgelb und kobalttürkis probiere ich zur Zeit. Macht Spass, sich auf ein paar Farben zu beschränken. Versucht es! Manche Künstler malen mit nur 3 Grundfarben. 

Habt Spaß damit! 

Schraffurübung


„Oft, wenn ich einschlafe, fühle ich unter mir den schwankenden Abflug des großen Eskimovogels, der wie ein zögerndes Flugzeug seinen Kurs sucht.“ Das ist die erste Strophe des Gedichtes ‚Eskimovogel‘ von Hilde Domin. 

Woran denkt Ihr, wenn Ihr Euch erinnert an das Zubettgehen als Kinder? Pflegtet Ihr ein Ritual? Habt Ihr etwas davon hinübergerettet in Euer Einschlafen als Erwachsene? Wurdet Ihr manchmal nach langen Autoreisen von Euren Eltern in’s Bett getragen? 

Schreibt mal und zündet Lichter im Grau des heutigen Tages an! 

(Das Bild habe ich nach einem Foto in einem Zeitmagazin gemalt.) 

Der Wänglein zarte Rosen blüh’n ..


..im Museum Mittelrhein in Koblenz. Ich hänge hier gerade auf meiner Couch, denke, was soll ich bloß schreiben und sinke tiefer, rutsche langsam zu Boden, mit dem Kopf voran, hake meine Füße an die Lehne, um nicht abzustürzen, hänge weiter so und entdecke etwas Cooles: 

Spiegelung in meinem Druck. 

Lasst Euch nicht unterkriegen und macht Sachen, die Euch Rosenwangen machen!