Dieses schöne Eckhaus in Montréal ist Green‘s Superette und ich habe es mit @montrealsketcher und @marekbad64 gezeichnet. Diese tollen Künstler findet Ihr auf Instagram und man kann jede Menge von ihnen lernen. Marek ist der Fudedude und er erklärt alles, was Ihr schon immer über Füller mit wasserfester Tinte wissen wolltet. Greetings 🦚

Zeichnen mit Künstlern aus aller Welt

Amarante
Amarante

Über Instagram lerne ich zur Zeit interessante Künstler kennen und es ist sehr schön, gemeinsam zu zeichnen, auch wenn viele Tausend Kilometer zwischen uns liegen. Diesmal #drawUrbanview with @Carlosrubinaster from Portugal

Er postet Fotos und ruft dazu auf, gemeinsam zu künstlern! Macht mit!

Egal, wo man das Büchlein aufschlägt, die wunderschönsten Bilder strahlen einem entgegen. ‚Working with color’ von der wunderbaren Künstlerin Shari Blaukopf aus Montreal ist für mich zu einem ständigen Begleiter geworden. Immer wieder nehme ich es aus dem Regal und schlage nach.

Im ersten Kapitel zeigt sie ihr Material und erläutert kurz Grundbegriffe der Farbenlehre. Im zweiten geht es um Pigmente und Mischtechniken, z.B. das Ermischen von natürlichen Grüntönen oder Dunkelheiten. Im dritten Kapitel lernen wir das Wahrnehmen und den Einsatz von Tonwerten (Hell bis Dunkel). Kapitel 4: Arbeiten mit einer limitierten Farbauswahl. Kapitel 5: Über das Zusammenspiel verschiedener Farben Kapitel 6: Ermischen von Grautönen

Im 2. Teil des Buches sehen wir Bilder zu Stimmung und Atmosphäre. Es geht um Licht und Schatten oder das Verwenden sehr ausdrucksstarker Farben. Das Buch hat 109 Seiten und enthält viele Bilder sowohl von Shari Blaukopf als auch von anderen genialen Urban Sketchern.

Die Erklärungen sind sehr kurz gehalten und setzen Grundkenntnisse voraus. Es ist kein Übungsbuch mit Anleitungen, sondern mehr eine Bildersammlung zur Erinnerung an Grundprinzipien. Einsteigern ins Urban Sketching würde ich es nicht uneingeschränkt empfehlen.

Am Ende stehen einige challenges, z.B. Sketch in a café and use warm colors to capture the room‘s social liveliness. Sketch using an analogous color scheme.

Hiemelunäärd

Ich komme von der Mosel und da hat man in Moselplatt ‚Hiemelunäärd‘ (Übersetzung: Himmel und Erde) ein Gericht mit gebratenen Kartoffeln und Blutwurst genannt. Mmhh! Als Kind würde man ja sogar gepökelten Nachbarn essen, weil man keine Vorstellung von diesen Dingen hat.

Jetzt geht es aber weiter mit dem Aquarellieren von Himmel und Erde, heute dramatisch mit granulierenden Farben.

Hier seht ihr wieder eine simple Vorzeichnung. Ich habe das Blatt mit Ceruleanblau vorgrundiert und die Menschen mit einer Mischung aus Ultramarinblau und Umbra gebrannt mit Lichtkanten (!) getönt. An diesen Lichtkanten zeigt sich oft der Meister. Achtet mal darauf, wenn Ihr richtig gute Aquarelle seht.

Dann zog ich einen mit Ultramarinblau getränkten Pinsel entlang des oberen Bildrandes auf das leicht schräg stehende Papier, so dass es nach unten laufen konnte. Es entstehen diese wunderbaren Lichtstreifen. „Der Himmel reisst auf!“ Ich tupfte noch einen Hauch Permanent Alizarin Crimson in die Wolken und dies ergab einen sehr schönen granulierenden Effekt. Die weit entfernt stehenden Häuser malte ich leicht mit meiner Graumischung. Den Boden mit einem Hauch Alizarin, damit eine Spiegelung vom Himmelston entsteht und einen kräftigeren Schatten in Ultramarin und Alizarin hinter die Menschen. Fertig!

Da geht mir das Herz auf! Alizarin Crimson ist ein traumhaft schöner Farbton, der sich hervorragend für Mischungen eignet. Aber: Das Pigment ist nicht lichtecht, d.h. in Verbindung mit Licht bleicht das Pigment sehr schnell aus. Deshalb solltet Ihr unbedingt darauf achten, ein PERMANENT Alizarin Crimson zu kaufen. Ein Scharlachrot oder Chinacridonrosa eignet sich auch für schöne Violettmischungen mit Ultramarinblau.

Ich möchte noch etwas zum Papier schreiben. Aquarellpapier sollte immer mindestens 250 bis 300 oder gar 450 bis 600 Gramm haben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich total verkrampfe bei Papier, das pro Blatt 3 oder 4 Euro kostet. Darauf entstanden die uninspiriertesten Bilder, die ich je gemalt habe.

Ich male meine Himmelsbilder auf 12 mal 8 cm grosse Stücke, die ich mir aus einem grossen Block schneide. Ich habe einen Mixed Media Block mit 310 Gramm, der 36 mal 48 cm gross ist. Perfekt zum Üben und nicht teuer.

Welche Farben nehmt Ihr für den Himmel? Schreibt doch mal! Ich freue ich über Austausch.

Menschen und Wolken: erscheinen, ziehen vorüber, verschwinden, flüchtig, prächtig, unruhig jagend, zerrissen, golden, leuchtend, licht, glühend, bedrohlich, sanft, rosarot….

Ich verdufte dann mal! Bis bald!

Himmel pinseln

„Schreib‘ doch mal über das Malen von Himmel und Boden in Deinem Blog!“, wünschte sich meine Tochter, als wir durch den Schnee stapften.

Rosenfingrige Morgenröte, grauschwarze Regenvorhänge wehen, purpurrote barocke Sonnenuntergänge, wolkenloser blauer Himmel, schwere Gewitterwolken türmen sich rußschwarz, Nachthimmel mit dem gelben alten Runden, gelber Schneehimmel, Wolkenfetzen wie graue Putzlumpen: Götterkulisse

Ihr ahnt es schon; es ist ein weites Feld. Wir beginnen mit Harmlosem und steigern uns dann zu wirklichem Drama, wie in unseren Beziehungen.

Ich habe ein ganz einfaches Motiv gezeichnet, um erste Prinzipien zu erklären. Der Himmel ist transparent, durchscheinend, man schaut in die Ewigkeit. Deshalb wählt man als Grundfarbe oft Siena Natur (habe ich gewählt), Ocker oder Neapelgelb. Merkwürdig, denkt Ihr? Der Himmel ist doch blau! Wenn Ihr in die Ferne schaut, werdet Ihr feststellen, dass Himmel und Erde verschmelzen, es ist keine klare Kontur auszumachen, am Übergang verschmelzen die Farben von Himmel und Erde. In den Bildern Leonardo da Vincis könnt Ihr dieses sogenannte Sfumato entdecken.

Später werden wir auch opake, granulierende Farben wählen.

Während mein Siena noch nass ist, lasse ich ein kühles Ceruleanblau (Himmelblau) in die Farbe fliessen, auch unten in das entstehende Laub. Es entsteht entgegen der Erwartung (Gelb und Blau gibt…) kein Grün. Ich habe die Himmelsfarbe auch in die Büsche gegeben, weil sich die Farben des Himmels immer in der Landschaft spiegeln.

Nun habe ich in die Büsche ein warmes Gelb gegeben (New Gamboge), um ein Grün entstehen zu lassen. Grundsätzlich verblauen Dinge, die in der Ferne liegen und uns Nahes ist wärmer im Farbton. Ihr seht dies, wenn Ihr auf entfernte Berge schaut, diese sehen Blau aus. Nahes ist differenzierter und Entferntes verschwommen und unklar.

Im letzten Bild könnt Ihr noch etwas Wichtiges sehen: Der Himmel ist am Horizont heller als in der Nähe (also am oberen Bildrand). In der Ferne ist der Himmel kälter als in der Nähe. Der Vordergrund ist immer dunkler als der Hintergrund, deshalb habe ich vorne in die unteren Büsche ein Ultramarinblau getupft, das rötlich, also warm ist. Auf der Oberseite der Bäume und Büsche tanzt das Licht, während an der Unterseite Schatten liegt. Seht Ihr, wie das Gelb nach vorne rückt?

Diese Art des Aquarellierens nennt man übrigens Lasertechnik.

So, das war jetzt viel Information für einen Blogbeitrag.

Ich hoffe, Ihr werdet ein bisschen experimentieren und wie der berühmte Wolkenmaler Turner sagen:“Stör mich nicht, ich bin am Himmeln!“. Ich freue mich über Eure Studien und verdufte jetzt.

Bald mehr von Eurer Fannyblu

P.S. Ihr könnt natürlich auch ein Cyanblau, Preußischblau oder ein anderes kaltes Blau aus Eurer Palette nehmen und ein Delftblau, Ultramarin oder Kobalt Azur für die warmen Töne.

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen

Ich wünsche Euch allen von Herzen ein gesegnetes und schönes neues Jahr. Möge es Euch Licht, Kraft und Liebe bringen. Ich freue mich auf 2021 mit Euch hoffe auf weiteren regen Austausch.

Istanbul, ferne Schönheit

Mit den Urban Sketchern aus Trier habe ich mich über Zoom ausgetauscht und Stockholm und Istanbul gezeichnet. Ich vermisse meine Leute. Erinnerungen an diese wunderbare Stadt wurden wach. An einem Abend sahen wir einen Derwisch, der sich zu wunderschöner Musik gen Himmel drehte. Etwas weiter, auf einer Decke, saß eine beleibte, ältere Frau, die Tempotaschentücher zum Verkauf anbot und dann stand an einer Brücke eine junge Frau, die Vorübereilenden anbot, sich auf eine rostige Waage aus den 50 er Jahren zu stellen. Gegen Entgelt von ca. 20 Cent. Ich liebe Istanbul und werde nie vergessen, was für wunderbaren Menschen ich dort begegnete. Ich habe so viele nette Geschichten von dort in Erinnerung, die immer wieder mein Herz erwärmen.

Meine Eltern im Regen

Erinnerung an Venedig im Jahr 2019: wenn es dort zu regnen beginnt, herrscht rege Betriebsamkeit. Es werden überall Stege aufgebaut, Menschen stehen innerhalb von Minuten bis zu den Knien im Wasser, der Dogenpalast spiegelt sich in riesigen Pfützen und an vielen Orten sprießen kleine Verkaufsstände mit Ganzkörperanzügen und gelben Plastiküberziehern bis zum Knie wie Pilze aus dem Boden. Alles sammelt sich unter den Arkaden, wo schicke Ober sündhaft teure heiße Schokolade servieren. Ich habe Sehnsucht!

Die Castorkirche ist eine der schönsten Kirchen in Koblenz. Im Rosengarten hinter der Kirche findet man ein kühles Plätzchen inmitten schöner Rosenlauben.

Doppelt sehen- mit Mut und Anmut durch die Krise

Heute gibt es einmal etwas Anderes als Kunst, etwas, das Euch Mut spenden soll, wenn Ihr betroffen seid und vielleicht so ängstlich und verunsichert wie ich, als ich 2016 plötzlich doppelt sah. Das war so: Ich saß mit meinem Skizzenblock in der Kunstakademie in Trier. Vor mir ein Aktmodell mit einem schönen, schon etwas verwitterten Körper. Die Stimme der Dozentin hinter mir: „Was hast Du denn da gemacht? Da stimmt ja etwas gar nicht.“ Leider habe ich die Zeichnung danach zerrissen, weil ich mich so geschämt habe. Ich würde sie heute gerne aus meinem Schrank nehmen, als Zeichen der verschobenen Wahrnehmung, sie betrachten und mich aus der zeitlichen und örtlichen Distanz heraus trösten.

Merkwürdig finde ich von heute aus gesehen, dass ich nicht panisch wurde, sondern eher wie in einem Nebel und still beobachtend alles erlebte, was dann geschah: Krankenhaus mit CT, um einen Tumor auszuschließen, etliche Besuche beim Neurologen, der lange die Möglichkeit einer multiplen Sklerose ausschloss, da ich ja schon 52 war, endlose Untersuchungen und Tests. Und, schließlich, nach einem halben Jahr, wurde eine Lumbalpunktion durchgeführt, mit dem Ergebnis des Bestehens einer MS.

Ihr, die Ihr meinen Blog schon länger mit mir teilt, wisst: Ich bin leidenschaftliche Zeichnerin und im Laufe der Jahre ist das doppelte Sehen leider stärker geworden. Ich hatte lange Zeit eine Brille mit aufgeklebten Prismenfolien, die alles wie im Nebel aussehen ließen und deren oft regenbogenfarbige Streifen ich vor die betrachtete Welt gelagert sah. Nur mit nackten Gläsern allerdings musste ich beim Zeichnen immer ein Auge zukneifen.

Vor ein paar Wochen war ich in der Uniklinik zur Messung, die mein Empfinden bestätigte. Mit meinen Ergebnissen wurde ich bei einem Optiker vorstellig, der sich aufmerksam und verständnisvoll in mehreren Messungen ein Bild machte und mir schließlich eine Prismenbrille fertigen ließ. Sie war richtig teuer und sie ist wunderbar. Ich sehe klar und deutlich aus jeder Entfernung, meine Augen ermüden nicht mehr so und ich kann wieder stundenlang vor einem Objekt sitzen und den Stift flitzen lassen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass kein einziger Arzt meine Trauer über das Doppeltsehen verstanden hat, es eher als Lappalie abgetan und belächelt hat. Ich habe für Euch ein Foto gemacht, das ein bisschen zeigt, wie ich ohne Brille sehe, allerdings verschieben sich die Doppelbilder ständig, weil das Auge versucht, zu adaptieren.

Denjenigen, die die gleiche Erfahrung verarbeiten müssen, hoffe ich, ein wenig Hoffnung geben zu können. Geht mutig und anmutig durch die Krise und lasst Euch nicht kaputt machen von Menschen, die Euch in Eurer Eigenwahrnehmung nicht ehren. Ich wünsche Euch Gesundheit und Freude an jedem Tag.