An missglückten Bildern wachsen

Nach meinem letzten Blogbeitrag schrieben Einige von Euch, dass Ihr gerne Beispiele für nicht so geglückte Bilder sehen würdet. Bilder, die den Betrachter nicht ins Licht führen.

Ich habe 3 Bilder ausgewählt, die deutlich machen, wie unwohl man sich als Betrachter mit einem Sketch fühlen kann.

Fehler im Sketch machen klug

Aus Fehlern kann man viel lernen. Es ist ein bisschen bitter, soviel Zeit für eine gelungene Zeichnung verwendet zu haben und sie dann mit dem Aquarell zu verderben. Wer kennt das nicht?

Hier also Fehlschlag Nr.1:

Die Straße ist zu dunkel. Alles ist zu grau. Die Idee war, Gelb gegen Grau zu setzen, eine Straßenseite im Dunkel und eine im Licht zu lassen. An sich eine gute Idee, aber: Das Grau wirkt trist und leblos. Meine verzweifelten Rettungsversuche könnt Ihr sehen. Gelber Posca als Lämpchen auf der linken Seite, weisser Acrylstift für den Zebrastreifen, Auswaschversuche, gegen die sich die Farbe vehement gewehrt hat. Die Papierfasern hatten sie aufgesaugt und wollten sie nicht mehr hergeben.

Mit Bedauern schaue ich auf meinen Sketch und denke: „Hätte ich doch nur die Hose hell gelassen, ein Violett in den Schatten gemischt..“ Zu spät! Wir sehen oft all die atemberaubenden Sketches anderer Künstler auf Instagram und ahnen nicht, wieviel Fehlversuche dahinterstehen.

Vermeide Assoziationen von lauernden Gefahren in Deinem Sketch!

Hier Versager Nummer 2:

Hier könnt Ihr sehen, dass das Auge ins Dunkel geleitet wird. Niemand möchte in dieses dunkle Unbekannte gehen. Lauert dort ein wildes angriffslustiges Tier?Meine Idee war, die Personen herauszuheben. Hätte ich mal besser nicht gemacht. Mit dem rosa Himmel habe ich versucht, die langweiligen matten Farben zu beleben. Es half alles nichts. Dabei war die Zeichnung so wunderbar!

Dunkelheit im Aquarell

Und hier kommt der letzte Fehlversuch:

Dieses Bild zeigt, wie sehr man ein Bild verderben kann, indem man Schicht um Schicht auflegt, um Tiefe zu erzeugen. Das ist wirklich ein ganz furchtbarer Sketch. Wer möchte sein wohlverdientes Bier nach einer auslaugenden Fahrradtour in dieser Grillhölle verbringen? In diesem unheimlichen Dunkel eine Currywurst essen? Bei der Vorstellung verengt sich der Hals.

Was kann ich nun aus diesen „Sechs-setzen“-Sketches lernen?

Zuviele Lasuren im Aquarell machen die Farben leblos und matt. Sie verlieren ihre Frische und leuchtende Transparenz.

In einer Zentralperspektive wie dieser solltet Ihr den Fluchtpunkt nicht verdecken, sondern den Betrachter ins Licht führen. Außer, Ihr möchtet Unbehagen bewusst auslösen, eine Beklemmung erzielen.

Eine Variation von Farben in den dunklen Partien wirkt sehr viel lebendiger als eine einheitlich dunkle Fläche.

Es gibt auch in den dunklen Partien immer Reflektionen von Licht, die von der Umgebung einströmen.

Während des Schreibens dieses Blogbeitrages pilgerte ich immer wieder in die Küche, um mir Schokolade einzuverleiben. Wir Zeichner müssen eine hohe Frustrationstoleranz haben, soviel steht fest.

Schokolade kann helfen oder die mitfühlenden Worte meiner geneigten BlogleserInnen. Folgenschwere Fehler sind für Sketcher gut!

Habe die Ehre!

Stefanie

6 Antworten zu „An missglückten Bildern wachsen“

  1. hallo stefanie, danke fürs teilen deiner gedanken und zeichnungen. ich vermute, dass jedem hier und da eine zeichnung misslingt. ich kannte mal eine, die hat ihre zeichnungen immer fotokopiert, um sie danach zu colorieren. dein letztes bild finde ich übrigens ganz schön und das mit der grillhölle habe ich erst nach deinem hinweis bemerkt, diese als solche aber nicht so empfunden. das ist auch eine sache zur frustrationstoleranz – zu wissen, dass nicht alle dasselbe sehen oder empfinden beim anblick von zeichnungen und bildern. was mir als rettungsversuch noch einfällt ist, die zeichnungen zu digitalisieren und dann den bereich, der zu dunkel geworden ist auszuschneiden und neu zu colorieren. ich habe das noch nie gemacht, kann mir aber vorstellen, dass das funktionieren könnte. wie dem auch sei – danke für deinen mut und deine überwindung die „misslungenen“ zeichnungen zu zeigen. aus fehlern lernt man, das ist doch auch wichtig immer zu wissen. liebe grüße und danke für deine hilfreichen und schönen beiträge.

    1. Vielen Dank für Deine Antwort. Ach, weißt Du, ich möchte die Zeichnungen gar nicht verbessern. Irgendwie habe ich sie mit ihren Schwächen lieb gewonnen. Und sie erinnern mich immer an bestimmte Regeln im Aquarell, die ich dadurch gelernt habe. Aber schön, dass Du Dir Gedanken machst. ☺️Ich freue mich sehr, dass wir inzwischen schon eine lange Zeit durch die Blogs verbunden sind. Ganz liebe Grüße aus dem regnerischen Koblenz

  2. Liebe Steffi,
    erst einmal Chapeau, dass du mit uns das teilst. Deine missglückten Sketche sind zwar bei weitem nicht mit unseren missglückten zu vergleichen 😀 aber man bekommt so durch deine Erklärung natürlich einen wunderbaren Einblick, was man hätte besser machen können. Man kann so viel daraus lernen wenn man gesagt bekommt woran es liegt wenn einem das Bild nicht gefällt- das ist manchmal gar nicht so klar und einfach zu erkennen. Ganz lieben Dank dafür:)
    Wahrscheinlich ist salted caramel die richtige Schokolade dafür- sozusagen: salzig-süß wie das, was man empfindet 🙂
    LG Claudia

    1. Liebe Claudia! Die Fehlversuche werden normalerweise nicht veröffentlicht, aber ich weiß, dass viele Künstler viel wegwerfen oder in den Tiefen der Schubladen verschwinden lassen. Ich habe schon Vorschläge zur Verbesserung bekommen, aber nein, ich habe aus den Bildern viel gelernt und lerne immer noch, wenn ich sie betrachte. Salzkaramel ist perfekt, nur leider hat der Rewe heute zu. 😀 Danke Dir für Deine schöne Antwort. Lieben Gruß Steffi

  3. Ach, weißt du, ich denke, „misslungene“ Werke gibt es immer wieder und wird es auch immer geben. Ich persönlich gebe mich gar nicht so viel mit ihnen ab und lasse ihnen nicht so viel Raum in meinen Gedanken. Es ist ja auch immer eine ganz individuelle Ansicht, was „misslungen“ ist oder was ein Highlight darstellt. Viele meiner Bilder packe ich eine Zeitlang in eine Mappe, hole sie irgendwann wieder heraus, schaue sie an, lasse sie auf mich wirken und stelle dann ganz schnell fest, ob sie mir etwas „sagen“ oder nicht. Manche werden dann doch in die „Highlight“-Schublade sortiert, andere landen möglicherweise noch für eine weitere Zeit in die Mappe, und wieder andere verschwinden dann endgültig im Shredder.
    Liebe Grüße von Rosie

    1. Ja, Du gehst entspannt damit um. Das ist doch schön. Ich habe die Bilder nicht eingestellt, weil ich mich gräme, sondern weil mich einige Leserinnen nach Bildern gefragt hatten, die das Gegenteil dessen zeigen, das ich im Beitrag davor eingestellt hatte. 😃 Schön, von Dir zu hören. Liebe Grüße Stefanie

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