Zeichnen bei 36 Grad in Koblenz

Meine Freundin Kerstin und mich zieht es inzwischen jeden Tag nach draußen, um zu zeichnen. Wir werden ansonsten ganz kribbelig, also sitzen wir auch bei kochendem Asphalt auf unseren Höckerchen. Der größte Segen ist dann, wenn ein Wölkchen die Sonne verdeckt oder ein Passant einen interessierten Blick auf unsere Zeichnung wirft und etwas Schatten spendet. Wir haben von Zeichnern gehört, die im Winter mit Wodka aquarellieren, weil sonst das Wasser gefriert. Oder Turner hat sich angeblich an einen Schiffsmast binden lassen, um den Sturm auf dem Meer hautnah zu erleben. Solche Geschichten kann man sich erzählen, wenn der Schweiß in Sturzbächen über den Rücken rinnt. Dann ist es gar nicht mehr so schlimm.

Kulturelle Öde in Koblenz

Meine Freundin und ich möchten am 11.07. einen Urban Sketching-Workshop anbieten. Ich mich also heute auf mein Rad geschwungen und freudig pfeifend los, um kleine Plakate aufzuhängen. In der Stadtbibliothek nahm man mein Papier ein bisschen so wie eine Zeitung, in die vorher geräucherter Fisch eingewickelt war und ich erhielt vom zuständigen Entscheidungsträger die Antwort, dass sie grundsätzlich nur Angebote von der Stadt oder dem Land aufhängen. In unserem Geschäft für Kunstbedarf, Listmann, beantwortete man meine freundliche Bitte, das Plakat aufhängen zu dürfen, mit einem Wort von der Chefin, die sich das Angebot noch nicht mal ansah:“Nö!“ EVM: (mit spitzer Stimme) „In der Coronavirus-Zeit hängen wir nichts auf.“ Wie bitte? Ist jetzt nicht gerade die Zeit, Kultur wieder aufleben zu lassen? So ging es weiter: Befremdetsein und gerümpfte Nasen. Strahlend weiße Litfaßsäulen strahlten mich an, die mit 3 Plakaten der städtischen Museen beklebt waren. Wie gerne hätte ich unser Blatt drangeklebt, aber im Netz habe ich von drastischen Strafen bei wildem Plakatieren gelesen. Ok, irgendwann war ich so gefrustet, dass ich mir in unserem Altstadtcafé ein fettes Stück Apfelschmandtorte bestellt und auf alle Banausen in Koblenz einen Cappuccino getrunken habe. Letztens Ende habe ich in der Peripherie ein paar Gnädige gefunden. Ich hoffe, ein paar Interessierte halten sich randständig auf. Danke, dass ich mir meinen Frust bei Euch von der Seele reden durfte und ein Hoch auf die Freiheit des Geistes.

Für Gaby – Kochender Asphalt – sketching people

Koblenz schwitzt. Auf zur belebten Eisdiele. Hier hüpft das Herz angesichts der tollen Typen, die ich in mein Büchlein zeichnen möchte. Bin gerade frisch verliebt in einen neuen phantastischen Stift, mit dem ich eine für mich neue Art der Linie entwickelt habe. Das ist der Ecco Pigment von Faber-Castell in Stärke 07.

Der Wänglein zarte Rosen blüh’n ..


..im Museum Mittelrhein in Koblenz. Ich hänge hier gerade auf meiner Couch, denke, was soll ich bloß schreiben und sinke tiefer, rutsche langsam zu Boden, mit dem Kopf voran, hake meine Füße an die Lehne, um nicht abzustürzen, hänge weiter so und entdecke etwas Cooles: 

Spiegelung in meinem Druck. 

Lasst Euch nicht unterkriegen und macht Sachen, die Euch Rosenwangen machen!