Die perfekte Hilfe, um die richtige Farbwahl im Aquarell zu treffen

Ich weiß nicht, ob Ihr das auch kennt, aber immer wieder verderbe ich mir Zeichnungen, die eigentlich bisher richtig gut gelungen sind. Ich trage Farbe auf, und die Zeichnung verliert. Ich habe schon richtig Angst, Aquarellfarben aufzutragen. Letztens saß ich mit meiner Zeichenfreundin an der Mosel und wir skizzierten die Fischschleuse mit einem wunderbaren Bagger mit Krallen, ein großartiges Motiv. Meine Freundin guckte mich völlig entgeistert an, als ich rasend mein Bild zerriss und wütend wie Rumpelstilzchen mit den Füßen auf den Fetzen herumtrat. Die Farbe hatte meine Skizze verdorben. Jetzt muss ich allerdings auch erzählen, dass ich eine Technik versuchte, die ich kurz zuvor in einem Seminar mit Felix Scheinberger „erlernt“ hatte. Er trug einen interessanten Wash auf und akzentuierte anschließend mit gezielt gesetzten Farben. Das sah so spielerisch und entspannt aus, aber, ich kann Euch sagen, es sah nur so aus. Hier ein bisschen tupfen und da… Nein, da war ein Meister am Werk, der ganz genau weiß, was er tut. Alle Versuche, das Gelernte zu Hause umzusetzen, scheiterten. So, und heute hatte ich es satt, es waren 36 Grad, ich habe alle Rollläden heruntergelassen und mich an meinen schönen großen Wohnzimmertisch gesetzt, aus Aquarellpapier lange Kärtchen geschnitten und mir eine Hilfe gebastelt.

Links habe ich alle Farben meines Aquarellkästchens auf die Streifen gemalt, z.B. obenauf seht Ihr Hansagelb und Chinacridongold. Rechts habe ich Farbkompositionen von Bildern berühmter Maler aufgetragen. Ganz oben liegt der Fächer für Farben der limitierten Palette und interessante Mischungen.

Hier zum Beispiel seht Ihr Farben von Rubens Bild ˋTriumph der Wahrheit´. Ich habe verschiedene Farbzusammensetzungen von Bildern meiner Lieblingskünstler ausgesucht und ungefähr mit dem Pinsel auf meine Kärtchen gesetzt. Ich werde sie in nächster Zeit zu Hilfe nehmen und mir so eine Orientierung geben. Ja, das ist ein bisschen wie ein Kochrezept, aber im Laufe der Zeit verinnerlicht man gute Kombinationen.

In diesem Fächer habe ich interessante Mischungen oder Farben, die für eine limitierte Palette geeignet sind. Sehr schöne Wirkung erzielt man z.B. mit Indigo und Siena gebrannt. Oder 3 Farben- Kobalt Azur, Chinacridongold und Alizarin Crimson permanent- super für ein neblig-weiches atmosphärisches Licht.
Und schließlich meine einfachen Farbkarten, die alle Farben meines Kästchens enthalten. Hier kann ich z.B. Chinacridon Rosa an mein Bild halten und sehe mit diesem Platzhalter, ob mein Auto in der Farbe in‘s Bild passen würde. Und ich sehe gleich, dass das ein großer Fehler wäre.

Vielleicht habt Ihr ja auch Lust, Farbfächer zu erstellen. Sie sind klein und passen prima in die Zeichentasche. Ich wünsche Euch gutes Gelingen und Freude am Aquarellieren.

Mut zum Skizzenbuch- Zeichnen lernen mit Felix Scheinberger

Es war eine große Freude für mich, mit Felix Scheinberger in Hattingen 4 Tage lang zu zeichnen. Ich habe so viel gelernt und wir hatten eine wunderbare Zeit mit einer Gruppe von 12 Zeichnerinnen. Ich freue mich jetzt sehr darauf, alles Erlernte in den nächsten Tagen anzuwenden. Felix ist einfach nur genial!

Kulturelle Öde in Koblenz

Meine Freundin und ich möchten am 11.07. einen Urban Sketching-Workshop anbieten. Ich mich also heute auf mein Rad geschwungen und freudig pfeifend los, um kleine Plakate aufzuhängen. In der Stadtbibliothek nahm man mein Papier ein bisschen so wie eine Zeitung, in die vorher geräucherter Fisch eingewickelt war und ich erhielt vom zuständigen Entscheidungsträger die Antwort, dass sie grundsätzlich nur Angebote von der Stadt oder dem Land aufhängen. In unserem Geschäft für Kunstbedarf, Listmann, beantwortete man meine freundliche Bitte, das Plakat aufhängen zu dürfen, mit einem Wort von der Chefin, die sich das Angebot noch nicht mal ansah:“Nö!“ EVM: (mit spitzer Stimme) „In der Coronavirus-Zeit hängen wir nichts auf.“ Wie bitte? Ist jetzt nicht gerade die Zeit, Kultur wieder aufleben zu lassen? So ging es weiter: Befremdetsein und gerümpfte Nasen. Strahlend weiße Litfaßsäulen strahlten mich an, die mit 3 Plakaten der städtischen Museen beklebt waren. Wie gerne hätte ich unser Blatt drangeklebt, aber im Netz habe ich von drastischen Strafen bei wildem Plakatieren gelesen. Ok, irgendwann war ich so gefrustet, dass ich mir in unserem Altstadtcafé ein fettes Stück Apfelschmandtorte bestellt und auf alle Banausen in Koblenz einen Cappuccino getrunken habe. Letztens Ende habe ich in der Peripherie ein paar Gnädige gefunden. Ich hoffe, ein paar Interessierte halten sich randständig auf. Danke, dass ich mir meinen Frust bei Euch von der Seele reden durfte und ein Hoch auf die Freiheit des Geistes.