Mein Mann, der Macho

Mein Chef hat mich gebeten, ein paar Bilder für die Praxisräume zu malen. „Etwas Ruhiges“ möchte er. Ich hab‘ mir wirklich Mühe gegeben, aber dann habe ich meinen Mann gebeten, mir zu helfen, den Feldsalat zu putzen und wie immer musste er bei den letzten Blättern dringend Anderes erledigen. Immer, auch beim Abtrocknen verschwindet er, bevor wir ganz fertig sind. Das macht mich rasend und mit der Energie ist das Machobild entstanden. Kann ich natürlich nicht in die Praxis hängen, aber ich finde es cool.

Ein Mann ist, was er ist, durch den Raum, in dem er sich befindet

„Noch wunderbarer sind die purpurnen Blüten des Loosbaumes. Seine Blätter sind breit und seine Gestalt ist hässlich. Seltsam, dass in China der Paradiesvogel auf ihm wohnt! Auch Zithern macht man aus seinem Holz. Wie oft entspringt das Wunder aus dem alltäglich Unscheinbaren.“

Aus ‚ Das Kopfkissenbuch‘ der Dame Sei Shonagan (um 1000)

Die Ausgabe von 1961 habe ich an unserer Uni für 1 Euro aus dem Nachlass gekauft. Habe es gesehen, wild aus dem Regal gezerrt, mich hektisch umgeschaut, ob jemand Anderes es auch darauf abgesehen haben könnte und klopfenden Herzens gezahlt (wirklich kein Versehen- sie haben sich vertan- ist doch kostbar- wissen sie nicht, was sie da verkaufen?)

Ohrenbetäubende Bilder


Wo, zum Teufel, sind all‘ die großartigen Gedichtbände hingekommen? Ich bin sicher, es gibt sie, irgendwo. In unseren Buchhandlungen jedenfalls sind sie nicht. Ich will sie riechen, spüren, blätternd aus der Zeit fallen, aussaugen. 

Das folgende Gedicht wurde 1924 von einem polnischen Poeten geschrieben. Es wurde in einem wunderbaren Gedichtband mit Picasso- Zeichnungen veröffentlicht ( polnische Liebesgedichte/ Inselverlag).

Sie legte ihr haar zurecht

vor dem spiegel und vor dem schlaf 

Das dauerte unendlich lange Zwischen der einen 

und andern beugung des armes 

vergingen epochen Aus ihren haaren rieselten leis 

die soldaten der Dritten Legion

der heilige Ludwig mit seinen kreuzrittern 

die kanoniere von Verdun

Mit starken fingern 

steckte sie sich die glorie zurecht über ihrem kopf 

Das dauerte so lange

daß als sie endlich

ihren schaukelnden marsch 

zu mir begonnen hatte 

mein bislang so folgsames herz 

stehengeblieben war

und dicke körner salz 

erschienen auf meiner haut 
Zbigniew Herbert

Bild: Acryl, Oktober 2017 von fannyblu