Unterwegs wie van Gogh

Ich war in dem van Gogh-Film mit Dafoe in der Rolle des Malers. Und ich kann Euch sagen, es hat mich vom Kinosessel gehauen. Ich, also, heute morgen, tief inspiriert, nehme mein Köfferchen mit Malsachen (was sind schon 2 Kilo gegen den massiven Holzkasten van Goghs) und mein Dreibein und auf in die Natur. Weit und breit keine Menschenseele, aber Grün, endloses Grün. Hektar um Hektar grüne Weizenfelder. Es zwitscherte aus den Bäumen, Lichtflecken leuchteten über den haarfeinen Weizenfäden, das Tuckern eines Traktors, der zwischen den Reben mähte, pochte wie ein Herz. Ich setzte mich an den Weg, der in die Weinberge führt, silbriges Aufscheinen der Mosel zu meiner Linken und alles war genau richtig für mich.

Inspiriert durch Albrecht Rissler

‚Zeichnen in der Natur‘ ist ein wunderbares, inspirierendes Buch von Albrecht Rissler. Er empfiehlt z.B., ein und dasselbe Objekt mit vielen verschiedenen Stiften zu zeichnen. Ich habe schon einmal mit einem Frixion-Stift gezeichnet und staune, wie leicht er über das Papier gleitet. Macht richtig Spaß. Der Käfer ist mit einem Ballpoint gezeichnet, der wasservermalbar ist. Wirkt gröber und ausdrucksstark. Werde weiter damit experimentieren.

Über die satte, braune Erde krabbelst du, Käfer.

Gib acht! Feinstrukturtierchen im groben Hagel der Welt.

f.blu

diese um ihre Köpfe verstürmten Öhrlinge Stiefmütterchen….

So beginnt das Gedicht ‚Flugschrift‘ von Friederike Mayröcker. Ich habe nie Kostbareres als ihre Gedichte gelesen. Sie lösen tiefe Zärtlichkeit für unser schönes Leben und die geschenkte Natur in mir aus. Die Gedichte überwinden alle Schutzwälle und treffen mitten ins Weiche, mit aller Kraft, die Schwingung der Worte haben kann. 

Sucht Ihr nach einer Inspiration zum kreativen Arbeiten? Lest von dem ‚ Rosenstrauch, grüner Flor, dieser Dom aus Blättern, Kuppel…‘ oder ‚ die Meszgewänder der Pfingstrosen rauschen…‘. 

Lest Mayröcker

Heute poste ich ein Bild, das ich mit Acryltinte getropft habe. Ich habe ein gutes, 300 Gramm schweres Aquarellpapier genommen und mit einem großen Pinsel Wasser darauf getropft. In diese Tropfen habe ich Tinte fallen lassen und mit Faszination zugesehen, wie die Farbe aus- und ineinander fließt. Das ist ein wunderbares Erlebnis. Besonders harmonisch ist es, wenn wenige Farben verwendet werden ( z.B. Schwarz und Goldocker, Magenta und Blau). 

Viel Freude an den Rosenblattfaltervogelwelten! 
Leseempfehlung: Scardanelli (Suhrkamp, 2009), Liebesgedichte (Insel Taschenbuch, 2006) und noch viel mehr!